und ein Bewusstsein für Handlungen sind nicht unbedingt Attribute, die ich bei Rindern vermutet habe.

Als ich mich entschieden habe, 2 Rinder bei mir aufzunehmen, habe ich nicht im entferntesten daran gedacht, wie unglaublich viel Feingefühl in diesen massigen Körpern steckt. Schon vor einigen Jahren habe ich zwei Zebukühe aufgenommen. Sophie und Hermine, die allerdings schon beide ein Jahr waren und überhaupt nicht zahm. Mit viel Arbeit und Liebe habe ich beide zumindest anfassen und aufhalftern könne. Aber beide waren hier unglücklich, leben heute mit einem Bullen auf 5 HA und haben hoffentlich schon für viel Nachwuchs gesorgt. Mein Traum von einer Kuh war damit allerdings nicht vorbei.Nur für einige Jahre „auf Eis gelegt“.

Lange Rede kurzer Sinn: Heute leben Deus und Mio bei mir auf dem Hof. Sind, wie die Pferde und Hunde auch, vollwertige Familienmitglieder. Werden in den Hofalltag integriert, gefördert und geliebt.

Während Deus von klein an hier ist, kam Mio erst mit einem Jahr zu mir. War leider schwerkrank und ziemlich mickrig beieinander. Das hat seinem Lebenswillen aber in keinster Weise Abbruch getan. Er freut sich über jeden Tag, ist sehr aufmerksam und mutig. Inzwischen hat er sich zu einem hübschen Ochsen gemausert, der gesund und fidel ist. Beide haben sich sich eng an mich gebunden. Ähnlich wie meine Pferde. Natürlich vergleiche ich beide Spezies nicht miteinander, das wäre ja Äpfel mit Birnen und so…Ob Pferd oder Ochs hat jeder ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Beiden muss ich als Halter gerecht werden.

Ich habe anfangs sehr oft „schlaue Menschen“ getroffen, die mir sagten. Du wirst schon sehen, Kühe sind unberechenbar, warte ab bis die gross sind. Bis sie Dich das erste Mal umgerannt haben. Mit denen ist nicht zu spassen!

Soso!!

Das wollte irgendwie nicht in meinen Kopf, geschweige denn in mein Herz. Und bis heute werde ich jeden Tag sehr positiv von den Beiden überrascht! Sie kennen hre Namen, sind höflich, reagieren sehr auf die Ausstrahlung und Energie ihres Gegenübers. Haben sich eng an ihre Menschen gebunden. Haben einen Riesenspass, wenn mit ihnen „etwas“ getan wird.  (bei uns sind es lange Spaziergänge, Agility und mehr) Natürlich ist ein Ochse, unkomplizierter als ein Bulle oder eine Kuh. Im letzten Jahr hatte ich eine „Gastfärse“, Sputnik, die ihrem Namen alle Ehre macht. Für sie konnte es nicht schnell und wild genug gehen. Immer in Aktion, manchmal überreaktiv. Aber trotzdem immer vorsichtig mit Menschen, bis heute.

Stichwort Empathie und bewusste Handlungen:

Neulich Abends, als ich meine letzte Runde mit den Hunden gemacht habe, hat Deus sich sehr aktiv und lautstark um meine Aufmerksamkeit bemüht. (normalerweise schlafen beide um diese Uhrzeit gemütlich und nehmen keinen Kontakt zu mir auf). Als ich dann doch noch einmal zu ihm gegangen bin, war er sehr unruhig und aufgeregt. Ist immer wieder weggelaufen. Erst war ich irritiert, bis ich dann in einiger Entfernung Mio gesehen habe, der sich in eine ziemlich missliche Lage gebracht hat. Er hatte sich ein Stück Band um Hals und Vorderfuss gewickelt, das im Gras verborgen war. War nicht mehr in der Lage, alleine aus dieser mißlichen Situation herauszufinden. Auf Hilfe angewiesen. Hat sich ganz ruhig und voller Vertrauen von mir befreien lassen. Und Deus? Deus ist der Held des Tages für mich! Er hat die Situation eingeschätzt, Hilfe geholt und Mio nach seiner Befreiung erstmal gründlich abgeschleckt. Mir haben natürlich die Knie gezittert und ich habe mich gefragt, wo dieses Band herkommen könnte. Es hat sich dann herausgestellt, dass es vom Deich aus auf meine Wiese gelangt sei muss. Wie auch immer. Alles ist gutgegangen. Aber für mich war es ein unglaublicher Vertrauensbeweis von beiden. Deus hat aktiv Hilfe gesucht! Und der Mio hat absolut stillgehalten, uns vertraut.

Dies hat mal so garnichts mit den Schauermärchen zu tun, die ich oft zu hören bekommen habe.

Wenn ich unter unnätürlichen Lebensbedingungen mein Leben verbringen müsste, auf viel zu engem Raum mit viel zu vielen Artgenossen, wenn ich ohne Respekt und Wertschätzung behandelt werden würde, wenn auf meine Bedürfnisse keine Rücksicht genommen würde… Nadann! Würde ich sicher noch andere Sachen machen, als mein Gegenüber über den Haufen zu rennen. Oder vielleicht anders in ergebener Resignation und erlernter Hilfslosigkeit auf mein Ende warten. Beide Phänomene kennen wir auch zur Genüge aus der Pferdewelt.

Inzwischen bilden sich ganze Lager von vermeintlichen Experten. Sie allen schwingen sich als  Hüter über Gut und Böse, Richtig und Falsch auf.

Werten, vor allem andere Andersdenkende, ab. Da SIE die einzige Lösung für alles Übel und Ungerechtigkeit haben und ihre Version als die einzig richtige zu betrachten ist….Hmmmm.

Sind dies alles nicht nur Symptome unserer Gesellschaft? In der kaum einer noch auf seine eigenen Bedürfnisse achtet, ohne sein gegeüber zu vergessen? Viel zu sehr „im Aussen“ lebt, innerlich verkümmert und dann einen „Krückstock“ sucht? Und Schuldige. Für alles? Im Aussen nach Bestätigung sucht. Mit Fingern auf andere zeigt, um von sich selbst abzulenken?

Manchmal ist es sehr unbequem und auch schmerzhaft,  genau hinzufühlen. Aber ich finde, das ist nichts gegen die Schmerzen und das Leid, denen Mensch und Tier ausgesetzt sind, die gefangen sind. In einem Kopfkäfig. Die einen können leider nicht ausbrechen, schaffen es nur durch die Unterstützung der anderen. ( Naja, wer ist hier wer? ) Die anderen könnTen es. Trauen sich oft nicht. Haben vergessen wie es ist. Wie schön es sein kann.Haben eine riesige Firewall um sich gebaut.

Mauern und Käfige sind Scheiße! Auch die in unseren Köpfen und unseren Herzen!

Schau und fühl genau hin. In jedem Moment, an jedem Ort, mit jedem Gegenüber. Werte nicht.

Habt Spass, liebt und lebt.